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oder verpass das Schönste.
Buch, Bücher, am büchsten - hier gibt's viele bunt durchgewürfelte Buchrezessionen und Empfehlungen, weil es eben mehr als nur ein Zeitvertreib ist.

Sonntag, 8. Juli 2012

Meine Kontroverse der Woche: Shades of Grey

Och herje, jeder der sich auch nur ein bisschen mit dem Büchermarkt auskennt oder sich zwischenzeitlich in kulturellen Feuilletons verliert kann das gewaltige Blätterrauschen kaum überhört haben.

Das Buch des Jahres schlechthin kommt auf den deutschen Markt und scheint in Amerika sämtliche dagewesene Rekorde zu brechen und selbst Harry Potter zum kleinen Schuljungen zu degradieren. Klar dass da jeder was vom großen Kuchen abbekommen möchte, nur ist das Buch nicht ohne oder umumstritten.

Um es auf den Punkt zu bringen, Shades of Grey deckt auf provozierende Art und Weise sämtliche Schockeffete rund um das Thema Sex ab und verliert sich in den Untiefen des Sado Massos, Gewalt, Macht, Erniedrigung und sonstigen Wunschträumen übertriebener männlicher Stärke.

Eine kontroverse Diskussion ist hier natürlich vorprogrammiert, welche auch zu recht geführt werden darf - ihre Blüten gipfeln aber noch in wesentlich absurderen Formen. Psychologen philosophieren über den heimlichen Wunsch der Unterdrückung der Frau, welcher natürlich in Zeiten der Emanzipation nicht gegeben ist und kirchliche Großkonzerne fahren einen mehr als nur peinlichen Zick-Zack Kurs, da der Mamon natürlich trotz Ablehnung des Menschenbildes nicht ganz außer Acht gelassen werden kann.

Dass das Ganze literarisch mitnichten wertvoll sein dürfte, steht natürlich außer Frage - vielmehr halte ich das Ganze für eine weitere aufgepumpte und aufgeblähte Mediensensation, welche bis zum Erbrechen durchsexualisiert und unnötig ist.

Was mit "Feuchtgebiete" funktionierte, wird auch hier mit "Shades of Grey" funktionieren und wer eins und eins zusammen zählt, darf erraten welche Schwemme wohl bald in der Mache sein dürfte, wenngleich das meiste am liebsten nur verstohlen unter der Ladentheke verkauft wird. Der Seriösiät halber.

Was auf jeden Fall fehlt ist ein Standpunkt, daher nackt und unverblühmt:

Ich halte von diesem Buch absolut gar nichts, der Leseausschnitt in der BILD Hier (okay das mit dem kulturellen Feuilleton nehm ich wieder zurück) hat mir schon mehr als gereicht und mich in meiner Meinung nur bestätigt. Man mag mir vorwerfen spießig und verklemmt zu sein, ob ich es schlussendlich bin ist eine andere Sache, aber in meinen Augen hat dieses Buch keinen kulturellen Wert, ist zur Unterhaltung mehr als fragwürdig und zumindestens für mich unbrauchbar. Wer solche sexuellen Vorlieben hat ist in meinen Augen nicht unbedingt ein schlechterer Mensch, mir erscheint dies im Gesamten aber eher als unreflektierter, medialer Massenvoyeurismus. Wer einen Mangel an Unterdrückung hat kann sich gerne in eine Burka zwängen und in undemokratische Länder auswandern. Aus deren Sicht sicherlich ein nicht nachvollziehbares Luxusproblem der westlichen Gesellschaft. Ich werde das Buch auf jeden Fall NICHT lesen!

Es ist toll wenn mal wieder, mehr oder überhaupt gelesen wird, aber warum zur Hölle immer der letzte Müll?! Statt sich von einer kaputten Medienwelt leiten zu lassen, könnte man sicherlich auch mal einen x-beliebigen Buchhändler fragen. Die helfen sicherlich besser weiter... ;)


[[Nachtrag: 12.07.2012:]]
Zufällig gestern beim Mails checken auf weitere unnütze Bücher gestoßen: "One-Night-Stand. Aufzeichnungen einer Philosophiestudentin" von dem Pseudonym Swantje Marx welches frisch erscheint und mit banalen Sexthemen aufkreuzt, die kleinen Ausschnitte lesen sich ähnlich stumpf und überflüssig wie die geheimen Berichte von Katzenbergers "Sei schlau stell dich dumm".
Heute wurde ich nach dem Buch von Cem Yildiz gefragt, welcher mit "Fucking Germany" ebenso ganz oben in der Kategorie überflüssig steht.

Man kann zwar mit viel Wortdreherei in Feuilletons allem irgendwie einen künstlerischen, tragischen, gerade zu das Tabu zerberstende Streben nach Freiheit und Erfüllung des Individuums in der bedrohlichen Welt des alltäglichen Schreckens, der Einsamkeit und Langeweile sehen, aber bla bla. Keine Ahnung woher dieses Geltungsbedürfnis der Selbstoffenlegung momentan entspringt, warum es so gefragt ist und welch gesellschaftliches Phänomen ich neben der Kommerzialisierung übersehen habe, aber ich bleibe bei der alten Maxime:

Über Sex redet man nicht, man hat ihn oder - wer zuviel darüber redet, hat ihn womöglich gar nicht. ;) 

Kommentare:

  1. Schade. Den Beginn deines Textes fand ich wirklich gut, da ich vom Buch auch nicht sonderlich viel halte, aber deine eigene Meinung ist nicht nur beleidigend, sondern eine absolute Unverschämtheit.
    Sadomasochisten als schlechtere Menschen zu bezeichnen und BDSM mit der Unterdrückung der Frau in der Religion zu vergleichen zeugt von absolutem Unwissen. Du wirfst dem Buch vor unreflektierter Massenvoyeurismus zu sein, aber was du von dir gibst, ist tatsächlich völlig unreflektiert und zeigt nicht nur in größtem Maße xenophobe Tendenzen (undemokratische Länder? Warst du überhaupt schonmal in einem islamisch geprägten Land?), sondern auch Sexismus und eine Phobie gegen alles was dir unbekannt ist.

    Ein wenig mehr Offenheit würde dir nicht schaden.

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  2. Hey - ich geb zu an diesem Punkt wohl eine wahrscheinlich zu drastische Formulierung verwendet zu haben, aber ich fürchte wir reden an dieser Stelle aneinander vorbei, bzw. sie war von mir nicht erkenntlich genug gekennzeichnet.

    Ich hab an keiner Stelle behauptet oder behaupten wollen, dass Sadomasochisten schlechte Menschen sind oder sonstige mir nun vorgeworfenen Aussagen unterschwellig verbreiten wollen. Ich wollte mich mit diesem sicherlich nicht ganz glücklichen Seitenhieb nur nochmals auf den obig erwähnten, unmöglichen Artikel beziehen - welcher mit abstrusen, philosophischen Ansätzen versuchte, dieses Phänomen zu erklären. Und das Credo jenes Artikels war eindeutig: Die Frau hat eine unterschwellige Neigung oder einen Drang dazu unterdrückt werden zu wollen, was ich persönlich für absoluten Quatsch halte.

    BDSM welcher beidseitig willentlich betrieben wird, würde ich niemals als Unterdrückung bezeichnen, wurde in diesem Kontext aber so drastisch formuliert. Wir sind ziemlich emanzipiert und darüber bin ich ehrlich gesagt froh, weswegen ich den Sexixmusvorwurf nicht wirklich nachvollziehen kann - es gibt aber andere Länder und Gegenden, wo wir nicht von einer Emanzipation sprechen können, wo wirklich Unterdrückung herrscht. Wenn ich die gleiche Verwendung der Wörter nicht offensichtlich überspitzt auf das Korn nehmen darf/kann - halte ich es für eine gefährliche Verniedlichung dieser Umstände.

    BDSM hat natürlich nichts mit religösen oder sonstigen Zwängen gegegenüber der Frau zu tun, wenn luxusdekadent aber darüber so gewagt "philosophiert" wird, entwerte ich die tatsächliche Problematik, wenn ich diese private Vorliebe zum Allgemeinen Wesenszug der Frau erhebe.

    Ich gebe ganz offen zu, ich habe mich da etwas unglücklich formuliert und schon eine Diskussion darüber geführt, aber ich hoffe du kannst so nachvollziehen auf was ich eigentlich hinaus wollte. ;o

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