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oder verpass das Schönste.
Buch, Bücher, am büchsten - hier gibt's viele bunt durchgewürfelte Buchrezessionen und Empfehlungen, weil es eben mehr als nur ein Zeitvertreib ist.

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Donnerstag, 5. April 2012

Brigitte Blobel – Rote Linien – Ritzen bis aufs Blut


Wieder mal ein Jugendbuch, dieses Mal von Brigitte Blobel welche mit ihrem Roman „Rote Linien – Ritzen bis aufs Blut“ ein in der heutigen Zeit unterschätztes Thema aufgreift. Was ich persönlich erwarte, ist eine tiefsinnige Geschichte, mit ausgearbeiteten Problemen und einem feinfühligem Vorgehen, welches das Emo Klischee nicht nährt, sondern gekonnt den Wind aus den Segeln nimmt.

Der Titel ist da schon der erste Reinfall, denn plakativer kann man, neben dem „wunderbaren“ Cover nicht anfangen. Ich will jetzt auch nicht selbst viel über den Inhalt verlieren, genau genommen ist der Klappentext ideal für die Beschreibung dieses Buches:

Kitty war bisher immer eine gute Schülerin gewesen. Aber jetzt hat sie Angst – vor der Schule, vor den Lehrern, eigentlich vor allem … Sven ist der Einzige, der merkt, dass Kitty wirklich Hilfe braucht. Aber da ist es schon fast zu spät.

Was aufgefallen? Ursache, Grund etc. pp. ist sehr Wischiwaschi und das wird auch im Buch selber nicht wirklich viel besser. Die helfende Hand Sven ist in meinen Augen äußerst unsensibel und unsympathisch, die dargestellte Welt der Jugendlichen veraltert, beziehungsweise äußerst absurd fremd für mich und spätestens als Selbstverletzendes Verhalten (SVV) in einem Topf mit Suizid geworfen wird, schrillen meine Alarmglocken! Das hat de facto nichts miteinander zu tun, sondern sind zwei sehr heikle Baustellen, welche sich überschneiden können, aber nicht zwangsläufig müssen. Trotzdem entsteht hier dieser Eindruck! Halte ich persönlich für einen fatalen Fehler.

Weiter steht in dem Klappentext: „[…] ein ernstes und schwieriges Thema, von der Autorin sensibel und einfühlsam umgesetzt.“
Bemüht, ich würde es auf ein wohlwollendes „bemüht“ herunter brechen. Die Autorin will sicherlich schon, aber das Ergebnis ist es nicht!

Dafür wird die Thematik viel zu oberflächlich behandelt und genau das sollte bei solch einem Fall nicht passieren. Auch den Psychiatrieaufenthalt – ohne jetzt zu viel spoilern zu wollen – finde ich sehr unglaubwürdig.

Für kurzweilige Unterhaltung steht es jedem frei zu lesen, aber für Interessierte in diesem Bereich würde ich dann doch lieber Paulo Coelho und „Veronika beschließt zu sterben“ empfehlen. Das ist zwar auch nicht 100%-ig orthodox, aber besitzt wesentlich mehr Tiefe und Gefühl.

Und ja – Achtung Falle! Paulo Coelho handelt nicht von SVV, nicht dass der falsche Eindruck entsteht. Aber da Blobel leider wirklich alles in einem Topf wirft, kann man sich aus den Zutaten ja das Beste rauspicken.

Sonntag, 29. Januar 2012

Ann Ladiges – Hau ab, du Flasche!

„Hau ab, du Flasche!“ von Ann Ladiges ist oder war ein sicherlich gern verwendetes Buch für den Schulunterricht und behandelt thematisch die Alkoholsucht. Das ganze ist leicht geschrieben und leicht zu lesen und mit 90 Seiten auch nicht wirklich ein zäher Wälzer.

Ich hab das Buch genau genommen 1,5x gelesen. Meine Meinung darüber war doch etwas zwiegespalten und da ich zwischenzeitlich viele andere Bücher gelesen habe, wollte ich so meine Erinnerung nochmals auffrischen und den Blick auf die Authentizität werfen.

Die Hauptperson Robert, war mir persönlich nämlich viel zu unsympathisch und wirklich viele Charakterzüge hat er auch nicht. Dass dies durchaus gewollt sein kann, fiel mir dann beim zweiten Durchgang auf.
Robert wird hauptsächlich durch sein Umfeld beschrieben und handelt auch fast nur durch die daraus entstehenden Situationen und Umstände.

Die ungewohnte Art der Dialogführung welche sehr fragmentarisch und befremdlich wirkt, macht ganz und gar Sinn, wenn man dies in das familiäre Spannungsfeld setzt. Dieses zeichnet sich durch Desinteresse und hochgesteckte Erwartungen aus, Stammtischgelaber von „echten Jungs“, übertriebene Sorgsamkeit, fragile heile Welten und einem legeren Umgang mit dem Schlüsselthema Alkohol.

Eine Außenseiterrolle in der Schule, ein cooler neuer Schüler welcher älter ist und dessen Respekt jeder haben will, Imponiergehabe und der Alkohol. „Kannst du mir besorgen?“ – Noten werden schlechter, Lehrer beschweren sich und werden plötzlich fies, Diebstahl, Geldprobleme, seltsame Typen, Schulden, Abhängigkeit – das ganze summiert sich immer schneller.

Die Geschichte ist chronologisch eingerahmt, der Leser wird sofort ins Geschehen geworfen, ein Ausblick steht am Anfang, dann der Sprung in die Vergangenheit, alles rückwärts aufgerollt, erklärt und beschrieben.

Lesenswert – durchaus, ob es für die 6te Klasse geeignet ist? Vielleicht, vielleicht auch nicht – es ist nur eine Geschichte, eine Version jenes komplexen Themas und Robert haftet in meinen Augen zu sehr das Loser Image an. Lippenbekenntnisse kann ein Lehrer damit auf jeden Fall bekommen, mehr wohl in der Regel aber nicht. Das ganze erinnert mich zu sehr an „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie, welches ich in dem Alter über das Thema Mobbing lesen musste. Es kam nicht an in der Klasse, war unbeliebt, ein „Scheiß“-Buch, Thema verfehlt!

Das gleiche Problem haben wir hier auch. Die Dialoge unter den Jugendlichen sind gruselig abstrus. Pseudocool und übertrieben jung und lässig. Zudem spielt das Buch noch zu DM-Zeiten. Das lockt heute sicherlich keinen Schüler mehr hinter dem Ofen hervor.
Was ich persönlich lustig fand war die Beschreibung der Stadt. Ohne dass ein Name fiel weiß ich genau was gemeint ist, pendle 5x die Woche zur Arbeit dorthin und scheinbar hat sich nicht wirklich viel geändert.

Im Anhang befinden sich noch Kontaktadressen zur Suchtberatung. Es ist nicht wirklich schlecht, es ist bemüht, leicht verständlich und im Grunde auch nachvollziehbar. Aber richtig warm werde ich damit wirklich nicht.