Ich hatte das Buch ja schon in den Fingern
bevor es endgültig auch in Deutschland große Wellen schlug, nachdem es in
Schweden konkurrenzlos Überraschungsbuch des Jahres wurde. Aber ich ließ mir
viel Zeit dafür und las erst andere Sachen. Nachdem es von immer mehr Personen
empfohlen wurde, packte ich es mir mit hohen Erwartungen also eines Tages in
meinen Rucksack und ging dem Hype auf die Spur.
Protagonist ist Allan Karlsson der just
100 Jahre alt wird, zwar schon etwas langsam zu Fuß, aber immer noch hellwach
in der Birne ist. Sein Lebensende lässt er im Altersheim ausklingen und hat außer einem ewigen Kampf mit Schwester Alice, welche stets seinen Schnaps
beschlagnahmt, nicht viel zu tun. Auf die große Geburtstagsfeier mit Zeitung und
Bürgermeister hat er aber keine Lust. Also beschließt er kurzerhand aus
dem Fenster im Erdgeschoss zu klettern und zu verschwinden.
Im Reisezentrum mopst er spontan einem jungen, unfreundlichen Mann den Koffer. Er hofft darin wenigstens
etwas zum Anziehen zu finden. Immerhin ist er einfach so in Schlappen
losmarschiert. Mit dem Koffer im Schlepptau steigt er in einen Bus und lässt
sich für 50 schwedische Kronen irgendwohin fahren.
Damit hat er allerdings nicht nur die
Presse und die Polizei auf den Fersen, welche sich Sorgen um den
Hundertjährigen machen, sondern auch eine kleinkriminelle Bande schwedischer
Gangster, denen der Koffer gehört. Darin befinden sich nämlich 50 Millionen
Kronen aus Drogengeschäften. Die kann Karlsson aber ebenfalls gut gebrauchen
und dies hindert ihn auch nicht daran, munter weiter zu reisen.
Unterwegs gabelt Karlsson noch den
Gelegenheitsdieb Julius auf, kauft sich das Auto von Imbissbudenbesitzer Benny
samt ihm selbst als Chauffeur bis sie irgendwann auf die „schöne Frau“ mit
ihrer entlaufenen Elefantin Sonja stoßen, womit die sympathische Truppe
vervollständigt wäre.
Auf der anderen Seite versuchen sowohl
Polizei, Presse als auch die "Mafia" verzweifelt den absolut unkoordinierten Fluchtweg
von Karlsson samt Gefolge nachzuvollziehen und stellen sich dabei nicht gerade
intelligent an.
Parallel dazu wird die Lebensgeschichte
von Karlsson von Geburt bis zur Gegenwart erzählt, welche in farbenfrohen
Ansichten die ganze Weltgeschichte abreißt. Ob Franco, Truman, Mao oder Stalin.
Karlsson kennt alle persönlich und hat für alle möglichen Seiten schon
gearbeitet.
Erfrischend ist hierbei seine überraschend
unkonventionelle Art und Weise unpolitisch zu sein. Solange die Leute freundlich
zu ihm sind und einen guten Schnaps vertragen, sagt Karlsson nicht nein.
Die Geschichte ist gekennzeichnet durch
eine herzerwärmende Naivität und Unschuld und dennoch voll mit Zynismus und
Humor, der auch locker mal eine sehr schwarze Schlagseite bekommt.
Die Referenz „Forrest Gump“ ist
unübersehbar, nur hat "Der Hundertjährige" wesentlich mehr erlebt, mehr Sprachwitz und ist in
meinen Augen einen Hauch tiefsinniger durchdacht.
Ich persönlich halte generell ja nicht
sonderlich viel von Hypes und dergleichen, aber hier ist er vollkommen
berechtigt. Wer etwas Zeit und Lust hat ein gutes, erheiterndes Buch zu lesen,
sollte hier wirklich zuschlagen!
Ob absurd vereinfachte
Weltkriegsgeschichte, eine lebhafte Diskussion mit Genosse Stalin mit
trockenstem Humor, die elegante Beseitigung von Verfolgern und einer schnöden
„Es kommt wie es kommt“ – Mentalität. Das Buch ist vielschichtig, ernst,
tragisch, überzeichnet, kritisch, naiv und sehr humorvoll. Die Zutaten sind
wohl dosiert und ich kann im Endeffekt noch 5x loben, es bleibt dabei. Sehr
lustig, sehr gelungen und dringende Leseempfehlung für eine innovative und ganz
und gar ungewöhnliche Reise rund um die Welt!
ein zwar verabscheuter, aber gerechtfertigter lesehype also, soso :) habe mir das buch auch vor ner weile gekauft, auf englisch, weil ichs im buchladen gesehn hab und das cover so nice fand. der hype is währenddessen glatt in leisen samtpantoffeln an mir vorbeigeschlichen (aus dem fenster raus, am end ..).
AntwortenLöschendann bin ich gespannt auf die "innovative und ganz und gar ungewöhnliche [lese]reise um die welt", die ich auch baldmöglichst anzutreten gedenke. auf englischer reiseroute ...
leselebendige grüße
das a&o
Normalerweise geb ich in der Tat recht wenig auf "Lesetrends" und dergleichen, hier wäre es meiner Ansicht nach aber schade es nicht versucht zu haben. ;)
AntwortenLöschenMir hat es sehr gefallen. Ich hoffe dir sagt es auch zu. Wünsche auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen.